Online in E-LIS: Die »Sammlung Tanzenberg«: »Ein rie­si­ger Berg ver­schmutz­ter mit Schnüren ver­pack­ter Bücher« (Peter Malina)

Peter Malina:
Die »Sammlung Tanzenberg«: »Ein rie­si­ger Berg ver­schmutz­ter mit Schnüren ver­pack­ter Bücher«

Online in E-LIS: http://eprints.rclis.org/handle/10760/17801

As a result of provenance research at Vienna University Library (VUL) which started in 2004, it turned out that the library received looted books of dubious origin not only during the war but also afterwards. In 1949 the so called »Büchersortierungsstelle«was given the task to transfer books whose former owners could not be identified to Austrian libraries. In 1951 approximately 150,000 books were handed over by the »Büchersortierungsstelle« to VUL. This accession consisted of books from the »Dorotheum« (one of the important agencies to exploit looted properties during the Nazi period), the former »Bücherei der Polizeileitleitstelle Wien« and the library of the »Hohe Schule der NSDAP«. During the war the latter had been transferred from Berlin to the former monastery of Tanzenberg near St. Veit/Glan in Kärnten. Major parts of the collection of the »Hohe Schule« originated from the raids of Arthur Rosenberg’s »Einsatzstab« (ERR) in the German-occupied territories of Western and Eastern Europe. Declared as »herrenloses Gut« (abandoned property) these books did not evocate further questions at that time. Not until after an intervention of the »Israeltische Kultusgemeinde Wien« the material was split between VUL and the Jewish National and University Library Jerusalem (JNUL). As far as VUL is concerned, the provenance research showed that only about 10 percent of the remaining 80,000 books (the so called »Sammlung Tanzenberg«) have been catalogued and incorporated to the collection of the library. The results of the research concerning the »Tanzenberg Collection« provide a solid basis for further specific actions to support efforts to return looted books to their owners.

Im Zuge der 2004 begonnenen Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek (UB) Wien zeigte sich, dass nicht nur während des Krieges, sondern auch danach Bücher bedenklicher Herkunft in die Bibliothek gelangt waren. 1949 hatte die »Büchersortierungsstelle« die Aufgabe erhalten, während der NS-Zeit vornehmlich jüdischen Eigentümern geraubte Bücher, deren Vorbesitzer nicht mehr nachzuweisen waren, an österreichische Bibliotheken zu verteilen. 1951 wurden von der »Büchersortierungsstelle« etwa 150.000 Bücher an die UB Wien abgegeben. Darunter waren Bücher aus dem Dorotheum (einer der wesentlichen Agenturen zur Veräußerung geraubten Eigentums in der NS-Zeit), ein Teil der »Bücherei der Gestapoleitstelle Wien« (die durch den Raub von Privatbibliotheken zustande gekommen war) und als größter Teil Restbestände der Bibliothek der »Hohen Schule« der NSDAP. Diese war während des Krieges von Berlin nach Kärnten transferiert und in dem ehemaligen Kloster Tanzenberg (bei St. Veit an der Glan) untergebracht worden. Ein beträchtlicher Teil der Bücher der »Hohen Schule« stammte aus den Raubzügen des »Einsatzstabes Reichsleiter Rosenberg« (ERR) in den von deutschen Truppen besetzten Gebieten West- und Osteuropas. Als »herrenloses Gut« etikettiert, evozierte diese Bestandsvermehrung damals keine weiteren Fragen. Erst nach einer Intervention der Israelitischen Kultusgemeinde Wien wurden die der UB Wien zugesprochenen Bücher Ende der 1950er Jahre zwischen der UB Wien und National- und Universitätsbibliothek Jerusalem aufgeteilt. Als Ergebnis der Projektarbeit konnte festgestellt werden, dass in den 1960er Jahren von den der UB Wien verbliebenen rund 80.000 Büchern nur etwas mehr als 10 Prozent unter der Pauschalbezeichnung »Sammlung Tanzenberg« in die Kataloge eingearbeitet wurden. Da sich in den Büchern äußerst wenige aussagekräftige Hinweise befinden, sind einer Identifizierung der Vorbesitzer/ Vorbesitzerinnen enge Grenzen gesetzt. Mit der Dokumentation der »Sammlung Tanzenberg« ist jetzt die Voraussetzung für weitere Maßnahmen zur Rückgabe gegeben.

Die Beiträge des 10. Bandes der Schriften der Vereinigung Öster­rei­chi­scher Bibliothekarinnen und Bibliothekare, der dem Thema „NS-Provenienzforschung an öster­rei­chi­schen Bibliotheken“ gewid­met ist, können mittlerweile auch online aufgerufen werden.

Online-Beiträge von Band 10 der Schriften der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare in E-LIS: e-prints in library and information science: http://eprints.rclis.org/
Interessierte Personen können nach wie vor die gedruckte Version beziehen:
Bruno Bauer, Christina Köstner-Pemsel, Markus Stumpf (Hrsg.): NS-Provenienzforschung an öster­rei­chi­schen Bibliotheken. Anspruch und Wirklichkeit (= Schriften der Vereinigung Öster­rei­chi­scher Bibliothekarinnen und Bibliothekare 10)
542 Seiten, W. Neugebauer Verlag, Graz–Feldkirch, Oktober 2011, Broschur/Fadenheftung, € 59,90
ISBN 978-3-85376-290-5
für VÖB-Mitglieder ermä­ßig­ter Preis € 45,– (nur Direktbezug)
Bestellung per Mail: wnverlag@aon.at

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