Magdalena Andrae & Paloma Marín Arraiza: Alltag zu Zeiten von COVID-19 #Libraries #COVID19

Thema: Alltag zu Zeiten von COVID-19

Die Coronavirus-Pandemie hat eine schnelle Umstellung auf Telearbeit bedeutet. Diese Situation erlaubt es uns jedoch, neue Wege und Arbeitsabläufe zu analysieren und neue Werkzeuge zu testen, die in unsere tägliche Arbeit einbezogen werden können, wenn alles vorbei ist“.

In unseren Arbeitsgebieten (Open Access und Persistente Identifikatoren) gab es grundsätzlich keine große inhaltliche Umstellung, da der Arbeitsbereich auch schon davor rein digital war. Noch wichtig für uns war, dass wir eine gute Ausstattung (gute Internetverbindung, guten PC, ruhigen Arbeitsplatz) zu Hause haben und daher war der spontane Übergang ins Home-Office unkompliziert. Und es hat uns sogar ermöglicht, mehr Freizeit zu haben, da wir auf dem Weg zur Arbeit keine „Zeit verlieren“. Für uns persönlich ist Home-Office ideal und wir dürfen uns nicht beschweren. Allerdings ist die Situation nicht für alle ideal. Daher ziehen wir den Hut vor allen Kolleg_innen, die trotz Mini-Laptop, schlechter Internetverbindung und Haltungsschäden vom Esstischsessel fleißig arbeiten, und vor allen, die die Telearbeit mit Heimunterricht und/oder Kinderbetreuung kombinieren.

Nachfolgend möchten wir kurz schildern, wie es uns dabei erging, das bereits fixierte Kursangebot der Bibliothek rasch in ein Online-Format zu übertragen, um die Forschenden von unseren dezentralen Arbeitsplätzen aus zu unterstützen.

Physische Workshops werden Webinare

Obwohl wir schon länger im Hinterkopf hatten, dass es doch eine gute Idee wäre, den Workshop zu Green Open Access in virtueller Form anzubieten, gab es bisher keinen Anlass dazu.. Und dann riss COVID-19 uns aus unseren Routinen, die Mitarbeiter_innen der TU Wien Bibliothek wurden ins HomeOffice versetzt und der Kurs zur Selbstarchivierung – just für 16. März, dem ersten Tag im Home Office, geplant – wurde abgesagt. Der Kurs, den die Bibliothek zum Thema ORCID anbietet, fand eine Stunde vor der offiziellen Absage statt. Es war jedoch interessant, ihn auch im Rahmen eines virtuellen Formats abzuhalten.

Doch so schnell gab sich die Personalentwicklung – Koordinationsstelle des TU-internen Schulungsprogramms – nicht geschlagen und sie fragte bei den Autorinnen  an, ob sie nicht das Experiment wagen wollen würden, ihre Weiterbildungsangebote online abzuhalten. Die Meeting-Software wurde praktischerweise seitens der Personalentwicklung bereitgestellt. Und so kam es, dass am 24. März der Kurs „Kostenfreies Open Access mit Selbstarchivierung“ (von Magdalena Andrae) und am 1. April der Kurs „ORCID and your digital identity as a researcher“ (von Paloma Marín Arraiza) das erste Mal als Webinar organisiert und abgehalten wurden.

Die Kurse hatten bisher als interaktiver Workshop mit Einführungsvortrag und darauffolgenden von den Teilnehmenden durchzuführenden Übungsteilen stattgefunden – da sich dieses Format in der Vergangenheit als wirkungsvoller als ein reiner Vortrag herausgestellt hatte, sollte diese Interaktivität auch in das Webinar übertragen werden. In der Konzeptüberarbeitung war klar, dass vieles, jedoch nicht alles 1:1 vom physischen in den Online-Kurs übernommen werden kann: zur virtuellen Betreuung sind – anstelle von nur einer – besser zwei Personen vorhanden; die Gruppenarbeit wurde auf Einzelausarbeitung in einem gemeinsamen Dokument umgestellt.

Magdalenas Erfahrung

Ich plante dabei mit einer überwiegend minimalistischen Herangehensweise: möglichst wenige Tools, bei der Präsentation sowie bei Demonstrationen nicht zu schnell sein (die wahre Herausforderung!), die Aufmerksamkeit nicht überfordern.

Nach den üblichen anfänglichen Klärungsbedarfen – an dieser Stelle muss ich zugeben, ein paar Kästchen im Videokonferenzen-Bingo ankreuzen zu dürfen – ging der Workshop mit acht Teilnehmenden los. Um nicht nur eine Stimme aus dem Off zu sein – auch wenn es mich aus meiner Komfortzone riss – fand die Übertragung mit Kamerabild statt, um trotz Fernlehre einen gewissen persönlichen Kontakt aufzubauen. Der Workshop lief grundsätzlich positiv ab, jedoch zeigte sich auch hier, dass Technik tückisch ist: trotz mehrfacher Vorab-Überprüfung traten natürlich Schwierigkeiten auf, es konnte konkret nicht in ein gemeinsames Dokument gearbeitet werden. Also kurz verwundert (frustriert) sein, nicht lange herumprobieren, sondern Alternativen finden: Es lebe der Chat!

In aller Kürze kann gesagt werden: der Inhalt des Workshops kam gut an, die ersten Uploads in unser Repositorium erfolgten noch am selben Tag und die Feedback-Bögen waren positiv – in diesem Sinne kann man in diesem Zusammenhang durchaus von einem erfolgreichen Experiment sprechen.

Mein eigenes Fazit wiederum ist etwas zwiespältig. Ich hatte mir ein Webinar einfacher vorgestellt – aber nein: es ist genauso umfangreich und stressig ist wie ein physisches Treffen – man muss sich eben nur über andere (didaktische) Aspekte Gedanken machen. Umgehen muss man als Webinar-Leiterin auch mit dem Umstand, dass man auf einen Bildschirm einredet und dabei keine Ahnung hat, ob die Teilnehmenden zuhören, Fragen haben oder überhaupt ganz woanders sind, weil die Hauskatze über die Tastatur gelaufen ist. Hierbei habe ich aber die Vermutung, dass sich Unsicherheitsgefühl mit ein bisschen mehr Übung und Erfahrung legen wird. Und auf der anderen Seite war deutlich zu sehen, dass virtuelle Trainings von meiner Zielgruppe, den Forschenden, gerne angenommen werden. Das Anbieten digitaler Schulungen wird somit auch nach der Corona-Krise wichtig sein und ich hoffe, dass wir weiter in diese Richtung gehen werden.

Palomas Erfahrung

Nach dem üblichen „Sind wir alle hier?“ und „Könnt ihr mich gut hören und meinen Bildschirm gut sehen?“ begannen wir das Webinar mit fünf Teilnehmenden (eine viel kleinere Gruppe als bei einem physischen Workshop, aber groß genug für ein erstes Experiment). Das Webinar wurde mit Hilfe von Video, Frage-Antwort-Runden und Chat-Interaktionen durchgeführt. Es gab eine Präsentation mit Folien, dann wurde direkt im Browser die ORCID-Plattform gezeigt. Für mich war es am schwierigsten, die Geschwindigkeit anzupassen, und das nicht nur beim Sprechen, sondern eben auch zu berücksichtigen, dass unterschiedliche Geschwindigkeiten der Internetverbindungen die Ankunft von Ton und Bild verlangsamen können. Das von den Teilnehmenden erhaltene Feedback war am Ende jedoch positiv. Worüber ich sehr glücklich bin, wenn man dieses „erste Experiment“ betrachtet.

Mein eigenes Fazit beinhaltet ein wenig Selbstkritik. Ich denke, oft wird auf den virtuellen Unterricht herabgeschaut. „Nun, wir organisieren ein Webinar und das war’s“, fallen uns viele ein, ich als erste. Man muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass guter Online-Unterricht kein online organisierter Frontalunterricht ist, sondern dass es dafür u.U. andere (didaktische) Methoden braucht. Ich halte es für sehr notwendig, Online-Schulungen auf die Agenda von Bibliotheken zu nehmen, aber wir müssen uns ansehen, wie wir das machen. Vielleicht sollten wir damit beginnen, die Tür zu online strukturierteren Kurzkursen (mit verschiedenen Arten von Inhalten) zu öffnen, im MOOC-Format oder auf Plattformen wie Moodle.

Und wenn alles vorbei ist?

Nach Regen kommt Sonne und in einigen Monaten werden sich die Aktivitäten wieder normalisieren, aber was werden wir dann aus dieser Situation gelernt haben? Einige werden nie wieder über Telearbeit sprechen wollen, andere werden die ideale Beschäftigungsmöglichkeit entdeckt haben.

Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass in Zeiten der Digitalisierung viele der Aktivitäten einer Universitätsbibliothek als Telearbeit gemacht werden können, vor allem jene, die bereits (rein) mit dem Computer durchgeführt werden.

Was die Schulungen betrifft, müssen die verschiedenen Methoden für den Online-Unterricht noch analysiert und in unsere Arbeitsabläufe integriert werden. Notwendig wird auch sein, Tools zur Unterstützung der Interaktivität (z.b. Mentimeter, Slidelizard, Slido, VoxVote, Kahoot!) zu evaluieren – im besten Fall gemeinschaftlich und nach Anwendungsszenario.

Schließlich wirft die Telearbeit noch viele andere Fragen auf: Zeitmanagement, Arbeitsgewohnheiten, Ziele, Teamkommunikation und etc. pp. Deshalb wollten wir diesen Beitrag nicht beenden, ohne zwei Bücher zu empfehlen, die für diejenigen nützlich sein können, die Telearbeit als eine Option erwägen, „wenn alles passiert“.

Autorinnen:

Magdalena Andrae, TU Wien Bibliothek, https://orcid.org/0000-0001-9174-7449

Paloma Marín Arraiza, TU Wien Bibliothek & ORCID, https://orcid.org/0000-0001-7460-7794

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