DiePresse: Bücherabend(e): Der Präsident und sein Struwwelpeter

Heinz Fischer zitiert aus Kinderbüchern, Starautor Håkan Nesser liest in der Kläranlage: Wien gab sich eine Nacht lang bibliophil.

Locker eingeworfene Zitate großer Dichter, Hymnen auf das kulturelle Erbe des Buches und Befürchtungen rund um die profitorientierte Digitalisierung des geschriebenen Wortes – oder hätten Sie anderes als konzentrierte Schöngeistigkeit erwartet, wenn eine Bibliotheksdirektorin und ein bekannt literaturaffiner Bundespräsident eine landesweite Bibliothekenwoche eröffnen? Eben. Aber genauso war es dann eben nicht, als Nationalbibliothek-Direktorin Johanna Rachinger und Gerald Leitner, Geschäftsführer des österreichischen Büchereienverbands, am Montagabend zur Auftaktveranstaltung der Aktionswoche „Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek“ in den Prunksaal der Nationalbibliothek luden.

Als Erster sorgte Büchereien-Geschäftsführer Gerald Leitner für so manches verdutzte Gesicht im Publikum, als er zu einem unerwartet leidenschaftlichen Plädoyer für Bildungsreformen (Bildungsministerin Claudia Schmied hatte – überraschend und geradezu vorausblickend – abgesagt) und Investitionen in öffentliche Bibliotheken ausholte: „Zwanzig Prozent der Österreicher haben massive Leseschwierigkeiten, sie fallen als Partner im politischen Diskurs weg“, so Leitner, „wenn die öffentliche Hand nicht dagegenhält, braucht man sich über seltsame Wahlergebnisse nicht zu wundern.“ Lediglich 40 Cent pro Person gebe der Bund für öffentliche Bibliotheken aus, erboste sich Leitner – und er sollte nicht der Letzte sein, der an diesem Abend unmissverständliche Kritik üben würde.

Quelle: http://diepresse.com/home/leben/mensch/516372

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